Breviculum

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Ramon Llull
Trotz seiner Anerkennung als erster bedeutender Schriftsteller der katalanischen Sprache wird der Name Ramon Llull (1232-1316) noch heute in der Geschichte der Wissenschaft dem Bild eines esoterischen und enigmatischen „bärtigen Philosophen“ und „erleuchteten Doktors“ zugeordnet, der sein Leben dem Versuch widmete, die Muslime zum Christentum zu bekehren. Sein Einfluss auf das spätere wissenschaftliche Denken war viel wichtiger, als es auf den ersten Blick erscheinen mag. In diesem Zusammenhang ist schon ein erster Faktor sehr ausschlaggebend: die Annahme seines Lehramtes an der Universität zu Paris. Ramon durfte in den Jahren 1310/11 an der Fakultät für Kunst öffentlich unterrichten, was bei einem Laien ohne Lehrertitel ausgesprochen überraschend ist. Unter seinen ersten Schülern hebt sich eine interessante Persönlichkeit hervor: Thomas Le Myésier, Domherr zu Arras und Arzt am Hof der Gräfin Mahaut d’Artois, Mutter der Königin. Ihm ist, u. a., die Erstellung eines prächtigen und berühmten handschriftlichen Kodex zu verdanken, der seit 1807 in der Badischen Landesbibliothek in Karlsruhe aufbewahrt wird.

Dieser prächtige Kodex wird aufgrund seiner Ausführung und vor allem deshalb bewundert, weil er eine Zusammenstellung und eine Zusammenfassung von Llulls Denken sein sollte und es sogar heute noch sein kann. Das Breviculum ist tatsächlich eine schematische Zusammenstellung von Llulls Schriften mit zwölf großflächig vorgesetzten Miniaturen, von denen jeweils jede eine ganze Seite des Kodex belegt. Sie bilden auf knappe und deutliche Art das Leben wie auch die Figuren und Schemata der Doktrin des mallorquinischen Denkers nach. Es handelt sich um ein einzigartiges Dokument des ersten Llullismus, das von Le Myésier in Frankreich geschaffen und festgelegt wurde. Der fleißige Schüler wollte auf diese Art die tatsächliche Größe und die intellektuelle Bedeutung von Ramon Llulls Lehramts übermitteln. Aufgrund seiner Herkunft und künstlerischen Qualität ist dieses luxuriöse Manuskript auf feinem und teurem Pergament eines der wertvollsten Zeugnisse der französischen Malerei aus dem ersten Viertel des 14. Jahrhunderts.

Der Autor und sein Werk
Thomas Le Myésier beauftragte den Kodex mit der Absicht, Llulls Denken am französischen Königshof bekannt zu machen.

Ein langes Leben auf einem kurzen Bilderstreifen
Es muss darauf hingewiesen werden, dass hier keine Szenen einer Hagiografie, sondern Ereignisse aus dem Leben eines Zeitgenossen gemalt sind. Damit wurde ein Werk geschaffen, das in seiner Form und mit seinem Inhalt die Zeit, in der es erdacht und geschaffen wurde, übertrifft.

Llull als Befreier der Wahrheit
Es sind nicht die Bebilderungen, die den Kern des Bildzyklus bilden, sondern die allegorischen Miniaturen, in denen Llulls philosophisches System auf ganz besondere Art dargestellt ist.

Der Illuminator: Ein Maler am Hof von Mahaut?
Es wäre gewagt und auch komplett absurd, einen konkreten Namen als Autor dieser Bildersammlung anzugeben. Trotzdem könnte man darauf hinweisen, dass zur Illumination der Manuskripte eventuell auch eine andere künstlerische Beschäftigung gehörte.

Original aus dem 14. Jahrhundert, das in der Badischen Landesbibliothek in Karlsruhe aufbewahrt wird.

Kodex St. Peter perg. 92.

Format des Werks: 345 x 280 mm.

90 Seiten mit 12 ganzseitigen Miniaturen.

Speziell gealtertes Pergamentpapier.

Von Hand zusammengestellt, gefaltet und genäht.

Harter Ledereinband.

Historischer, künstlerischer und paläografischer Studienband.

Präsentation in einer eleganten Kassette.

Auflage von 995 Exemplaren, nummeriert mit notariell beglaubigtem Echtheitszertifikat.